Die Burg Gillrath  

Zeichnung der ehemaligen Burg Gillrath

Walter Scheufen aus Birgden und sein väterlicher Freund Paul Vallen (Träger des Rheinlandtalers, Amateurhistoriker) haben sich Gedanken gemacht, wie der ehemalige Rittersitz in Gillrath, unter Berücksichtigung der Überlieferung, einst ausgesehen haben könnte. Hier das Ergebnis in einer Zeichnung von Paul Vallen.

Die Gillrather Burg

 

Das Haus Gillrath, der heutzutage selbst in seinen letzten Resten verschwundene ehemalige Rittersitz, wurde von alters her Emondtshof genannt. Dieser Adelssitz wurde bis zu Ende der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts von der Familie von Bronsfeld bewohnt.

 

Der Erbauer war Thomas von Nievelstein, ein Jülicher Hofschützenmeister. Zwischen den heutigen Straßen “An der Burg”, “Von Bronsfeld-Straße” und dem ‘Schleifweg” stand im 13. bis 19. Jahrhundert die Gillrather Burg, Emondtshof genannt, inmitten grüner Wiesen und in der Nähe großer Wälder. Sie bestand aus einer Hauptburg und einer Vorburg. Die ganze Burganlage einschließlich des Burggrabens war mit breiten Wassergräben umgeben.

 

In die Vorburg führte die vordere Brücke, die 24 Fuß lang und 12 Fuß breit war. Hier befanden sich neben dem Wohnhaus die Scheunen und die Stallungen. Für Notzeiten war hier auch eine Roßmühle eingerichtet, deren Mahlsteine durch Pferde bewegt wurden, die an einem Göpel gespannt waren. Die ganze Burg war durch dicke Mauern gesichert. In die Hauptburg führte eine weitere Brücke aus Holz, die als Zugbrücke aufgezogen werden konnte. Zwei viereckige Türme zierten die Hauptburg.

 

1669 bewohnte Dederich Bertram von Redorath die Burg. Schon er hatte in dieser Zeit große Schwierigkeiten, den Rittersitz vor dem Verfall zu schützen, zumal das Anwesen mit Schulden belastet war. In den vielen Jahren hatten die Eigentümer mehrfach gewechselt.

 

Um 1800 bewohnte Baron Karl von Bronsfeld die Burg, der sie später an seinen Sohn Hubert vererbte. Der verkaufte 1877 das ganze Anwesen.

 

Über einen Burgbesitzer rankt sich folgende Sage:

 

Wie ein gemeiner Wegelagerer plünderte der entartete Spross des adeligen Geschlechts die Warenzüge der Kaufleute, schleppte die Beute in die Burg und warf die Kaufleute in das Burgverlies, um von den Angehörigen ein Lösegeld zu erpressen.

 

Als die Hanse der Stadt Köln dem Burgherrn erneut die Forderung zur Zahlung der Abgaben sandte, ließ er in seinen wilden Zorn dem Boten die Hand abhacken, schickte ihn zurück und rief hinterher:

“Wenn es den Herren in Köln nach mehr gelüste, so mögen sie nur selber kommen”.

 

Die einzige Tochter des Burgherrn, die von ihrer verstorbenen Mutter die Zartheit der Glieder und eine edle Herzensgüte geerbt hatte, beschwor ihren Vater, dem schlechten Lebenswandel zu entsagen.

Er aber, der sonst der Tochter jeden Wunsch erfüllte, erboste hierüber sehr und schrie sie an.

Als sich die Tochter in einen Knecht verliebte, missfiel das dem Burgherrn sehr. Er machte sie darauf aufmerksam, dass in eine Adelsfamilie kein Knecht hineingehörte. Aber die Tochter hielt zu ihrem Geliebten, dem Knecht.

 

Das ertrug der Ritter nicht, ließ den Knecht hinter ein Pferd binden und ihn zu Tode schleifen (daher die Straßenbezeichnung: Schleifweg)

Als das Mädchen das sah, stieß sie mit lauter Stimme den Fluch aus:

„Hier soll kein Stein mehr auf dem anderen bleiben”. Es stürzte sich aus dem obersten Burgfenster in den Wassergraben und ertrank.

 

Erst jetzt kam der Ritter von Bronsfeld zur Besinnung. Sein Schmerz um den Verlust der geliebten Tochter wuchs zum Irrsinn, der ihn schließlich in den Tod trieb.

 

Der Fluch glomm wie schwelendes Feuer im ganzen Gebälk. Langsam aber sicher verfiel die Burg. Nur der Turm, von dem die Tochter in den Tod ge­sprungen war, stand noch lange, bis auch er langsam in Schutt und Asche versank.

 

 

Die großen Wassergräben um das ehemalige Burggelände waren noch bis nach dem 2. Weltkrieg vorhanden.

 

Der früher an der hiesigen Volksschule tätige Lehrer Franz Frenken hat über das ganze Geschehen ein “Ritterschauspiel in 4 Akten mit Gesang” geschrieben.

 

Vor Jahren veranstalteten verschiedene Ortsvereine in den Wintermonaten Theaterabende, so auch die St. Blasius Schützenbruderschaft, die an ihrem Patronatstag, Anfang Februar, das Schauspiel im Saal Franzen aufführten. Es war so ein großer Erfolg, so dass die Aufführung am Sonntag danach wiederholt werden musste.

 

M. Köhlen (aus der Festschrift zum 200 jährigen Bestehen der St. Blasius Schützenbruderschaft Gillrath)

Bericht AZ 04-09-2013.jpg

Bericht aus der Geilenkirchener Zeitung vom 4.9.2013 über die ehenaliger Burg Gillrath.

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Tranchot-Karte von 1801

Der Kreis zeigt den alten Verlauf des Schleifweges und die Lage der Burg. 

In der Karte ist der Gillrather Hof fälschlicher Weise als Bergerhof eingezeichnet.

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Karte von 1893

Der Kreis zeigt den alten Verlauf des Schleifweges und die Reste des Burggrabens

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Damit die Burg Gillrath nicht in Vergessenheit gerät, hat die IGG Mitte 2020 am Schleifweg einen Rastplatz mit einer Infotafel eingerichtet, auf der die Geschichte der Burg Gillrath dargestellt ist.

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Aktualisiert am: 06.05.2021